Die Kaffeemühle – Meisterin in der hohen Kunst des Zerkleinerns

Manchmal lernen schon Kinder den Wert einer Kaffeemühle zu schätzen, nämlich dann, wenn sie die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz lesen. Nachdem der Bösewicht der Großmutter die schöne alte Kaffeemühle mit Handkurbel geklaut hat, mit der man auch Musik machen kann, wird sie ihres Lebens nicht mehr froh. Als erwachsener Espresso- und Kaffeetrinker verstehst du später, dass Kaffeemühlen auch dann, wenn sie keine Lieder spielen, von unschätzbarem Wert sind. Denn ohne Kaffeemühle keine frisch gemahlenen Kaffeebohnen. Und ohne frisch gemahlene Kaffeebohnen keine duftende Befüllung der Espressomaschine. Da hilft dann allenfalls noch der Griff zum fertig gemahlenen Pulverkaffee oder ein Kaffeevollautomat muss her. Da ist die Mühle nämlich eingebaut. Sinn und Zweck einer jeden Kaffeemühle ist das punktgenaue Zerkleinern der gerösteten Bohnen. Heute sehen Kaffeemühlen nur vereinzelt noch so aus wie die alten hölzernen Kegelmühlen mit Handkurbel aus Omas Zeiten, viele sind heute elektrisch betrieben.

Alles Mühle oder was? Filterkaffeemühlen, Espressomühlen & weitere Kaffeemühlen

Das Prinzip Mühle erfahren Max und Moritz bei Wilhelm Busch am eigenen Leib. „Rickeracke!  Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke“, heißt es da, bevor die bösen Buben „fein geschroten und in Stücken“ im Bauch des Federviehs landen. Eine Kaffeemühle gehört auch zur Familie der Mühlen, denn sie dient genau wie eine Getreidemühle der Zerkleinerung von „stückigem Material“ in ein fein gekörntes Endprodukt – in diesem Fall werden Kaffeebohnen zu Kaffeepulver oder Kaffeemehl gemahlen. Es gibt verschiedene Methoden und Arten von Mühlen. Da wäre zunächst einmal die Kaffeemühle, die Bohnen passend für Filterkaffee mahlt. Wenn das mithilfe eines Schlagmessers geschieht, das sich extrem schnell dreht, handelt es sich um eine Schlagmühle, auch Propellermühle genannt. Drehen sich zwei Mahlscheiben gegeneinander, ist eine Scheibenmühle am Werk, für die auch die Bezeichnung Flachmühle weitverbreitet ist. Je nach Mahlgrad können die Bohnen mit relativ hoher Drehzahl passend für die Kaffee- oder Espressomaschine gemahlen werden. Sehr häufig kommen sowohl im Haushalt als auch in der Gastronomie Kegelmühlen mit Kegelmahlwerk zum Einsatz, mit der sich größere Mengen Kaffeebohnen verarbeiten lassen. Diese Art Kaffeemühle kann elektrisch oder per Handkurbel betrieben werden und gilt wegen der geringen Hitzeentwicklung als aromaschonend. In der Industrie übernehmen Walzenmühlen das Mahlen riesiger Mengen Kaffeebohnen. Die Unterscheidung in Kaffeemühle oder Espressomühle ist schon im Preis erkennbar und bezieht sich auf spezielle technische Anforderungen. Im Grundsatz aber ist das Funktionsprinzip von Kaffeemühle und dem Pendant für Espresso gleich. Allerdings sind Schlagwerke und die meisten einfachen Handkurbel-Kegelmühlen nicht geeignet, Kaffeebohnen gleichmäßig und fein für Espressomaschinen von Bezzera und anderen Markenherstellern zu zerkleinern.

Ist eine handbetriebene Kaffeemühle noch zeitgemäß?

In der Tat ist sie vergleichsweise selten geworden, die Kaffeemühle, bei der noch echte Muskelkraft erforderlich ist. Doch während renommierte Hersteller wie Mahlkönig, QuickMill, Graef und BODUM komplett auf elektrische Kaffeemühlen setzen, finden sich zum Beispiel bei Hario auch Handmühlen, die für wenig Geld ein hochwertiges, mehrfach einstellbares Mahlwerk aus Keramik und eine entsprechend vernünftige Leistung bieten. Sie sind ideal geeignet als Kaffeemühle für den Urlaub und gehören für viele passionierte Kaffee- und Espressoliebhaber unbedingt mit ins Reisegepäck. Wer jedoch eine semiprofessionelle Espressomaschine besitzt, wird auf Dauer mit Handmühlen nicht glücklich werden. Es passt auch einfach nicht zusammen – da steht in der Küche die luxuriöse Bezzera oder QuickMill und daneben eine schlichte Kaffeemühle mit Handkürbelchen. High-End-Espressomaschinen verlangen in der Regel auch nach ebensolchen Espressomühlen, die neben dem schicken Design auch ein stufenlos einstellbares Edelstahl-Kegelmahlwerk, ein Scheibenmahlwerk oder andere hochwertige elektrische Mahlwerke zu bieten haben.

Wie aus der Kaffeemühle eine elektrische Espressomühle wird

Es ist nicht allein der Preis, der sich vom zweistelligen Bereich für eine einfache Kaffeemühle in drei- und vierstellige Höhen für Espressomühlen schwingen kann. Die Hightech-Schwester der Kaffeemühle kostet nicht nur mehr, sondern hat definitiv einiges mehr drauf. Das Mahlwerk arbeitet flexibel, präzise, schonend und tut das, je nach Ausführung, sogar verblüffend leise und schnell. Da die Aromen der Kaffee- bzw. Espressobohnen sich durch Hitze beim Mahlen zum Nachteil verändern, ist die wichtigste Anforderung an die Mühle, dass sie durch die Mahlgeschwindigkeit nicht zu heiß läuft. Fast genauso wichtig ist aber die Fähigkeit, Bohnen trotzdem homogen und relativ fein zu mahlen. Nur so kann sich ein gleichmäßiges Espressopulver formen, das dem Wasserdruck standhält, ohne Bitterstoffe auszulösen und zu verwässern (Channeling). Die Beschaffenheit des Pulvers hat auch Einfluss auf die Crema, die nicht nur optisch erwünscht ist, sondern zugleich der Versiegelung des Kaffees oder Espressos dient. Eine perfekte Crema bewahrt die extrem flüchtigen Aromen genau so lange, bis dein Espresso den Weg von der Tasse über den Gaumen bis in den Magen gefunden hat.

Womit gute elektrische Kaffeemühlen kritische Tester überzeugen

Da die Preisspannen bei Kaffeemühlen so hoch sind, steht der geneigte Heimbarista, der sich eine Espresso- oder Kaffeemühle kaufen möchte, vor einer Gewissensfrage. Soll viel Geld den Besitzer wechseln und im Austausch dafür zieht ein echtes Prachtexemplar aus Edelstahl von Zassenhaus, Rommelsbacher, Mahlkönig und anderen angesagten Herstellern in die Küche ein? Oder reicht für die eigenen Ansprüche eine günstigere Kaffeemühle? Vielleicht sogar eine desselben Herstellers, die nicht ganz so viel Leistung bringt, aber dennoch eine gute Figur macht? Die günstigsten Modelle im Segment Espressomühle, die mit ihrem Kegelmahlwerk in diversen unabhängigen Test überzeugen konnten, kosten zwischen 130 Euro und 350 Euro. Sogar Graef und Mahlkönig bieten in dieser Preisspanne schon ganz ordentliche Geräte mit praktischem Zubehör für den Hausgebrauch. Tester achten in dieser Einsteigerklasse besonders auf das Fassungsvermögen des Bohnenbehälters, eine einfache Mahlgradverstellung, gleichmäßiges Mahlgut ohne Klümpchen und die Geräuschentwicklung. Mit 400 Euro bis 700 Euro gehört eine Espresso- bzw. Kaffeemühle zur guten Mittelklasse und ist oftmals auch für die Gastronomie geeignet. Hier schauen Experten schon ganz genau hin: Größe, Schnelligkeit, Lautstärke, Direktmahlauswurf, Mahlgrad, Mahlgradverstellung – vor allem aber soll beim Espresso kein Channeling auftreten. Bei Preisen ab 1000 Euro handelt es sich meist um die „Big Player“, große hochwertig verarbeitete Kaffeemühlen, stufenlos einstellbar, mit Edelstahl und enorm viel Technik. Sie geben dem Barista an der Kaffeebar maximalen Handlungsspielraum – nicht nur beim Mahlgrad. Modelle von Mahlkönig gehören zu diesen Platzhirschen, die auch bei Barista-Meisterschaften zum Einsatz kommt. Aber auch leidenschaftliche Heimbarista mit entsprechend viel Stellfläche gönnen sich mitunter so ein Schmuckstück mit leistungsstarkem Mahlwerk, einfach, weil es ihr Herz höher schlagen lässt. Wer Kaffee zelebriert, entscheidet für sich manchmal aus dem Bauch heraus, dass seine Espressomaschine erst mit einer luxuriösen Kaffeemühle aus Edelstahl mit allem Schnick und Schnack komplett ist.

Und welche Kaffeemühle macht nun das Rennen?

Es liegt an dir, zu überlegen, ob dir deine Kaffeemühle und dein Kaffee eine vierstellige Investitionssumme wirklich wert sind. Nichts hindert dich daran festzustellen, dass dir Kegelmahlwerk, Scheibenmahlwerk und das Mahlwerk allgemein egal sind, solange der Kaffee schmeckt. Dann ist für dich eine einfache elektrische Kaffeemühle völlig ausreichend, vielleicht muss es noch nicht mal eine elektrische sein, sondern eine Handmühle täte es auch. Einfach Angebote und Preise vergleichen, genau prüfen, ob die Kaffeemühle alles kann, was sie können soll und dann beherzt eine Entscheidung treffen! Es muss ja keine Entscheidung fürs Leben sein, du kannst dich auch langsam an die Möglichkeiten und Qualitätsunterschiede einer Kaffeemühle herantasten.